Der Maibaum schwankt – und bleibt trotzdem das, was er immer war: ein Symbol, das ständig neu gelesen wird. Ob im bayerischen Dorf, im Rheinland als Liebesmaien oder mit lokalen Sonderterminen: gleicher Stamm, anderes Drehbuch.
Er zeigt, wie schnell Brauchtum politisch aufgeladen werden kann – vom Identitätszeichen im 19. Jahrhundert über die Vereinnahmung in der NS-Zeit bis zur Postkarte, Werbung und dem heutigen Hashtag. Und er zeigt auch, wie sich Rollenbilder verschieben: Was lange Männersache war, ist vielerorts längst gemeinsames Tun.
Am Ende ist der Maibaum weniger Objekt als Bühne: Hier wird Zugehörigkeit gemacht, ob auf dem Dorfplatz, im Insta-Video oder der nächsten Postkartenidylle.